Schreiben Viktor Raabes vom 25. Juli 1933 an das Konsistorium zu Münster: [1]

"Die Kirchengemeinde Meiningsen ist die kleinste unter den 10 Landgemeinden der Soester Börde, [...] Die geringe Seelenzahl war die Veranlassung, daß im vorigen Jahrhundert bei jeder Vakanz der Pfarrstelle außer bei der letzten 1890/91 der Plan erwogen wurde, die Gemeinde mit einer benachbarten zu verbinden.

Glücklicherweise hat man jedoch davon Abstand genommen, denn ohne Zweifel würde die Verwirklichung dieses Planes, wie auch jetzt die zeitweilige Nichtwiederbesetzung der Pfarrstelle von nachteiligem Einfluß auf das kirchliche Leben sein. Wenn auch Gottesdienst, kirchlicher Unterricht, Seelsorge u.s.w. zur Not von einem benachbarten Pfarrer ausgeübt werden könnte, so vermag das doch nicht einen Ersatz dafür zu bieten, daß ein Pfarrer mit seinen vielfachen Aufgaben und Beziehungen zu den Familien und Einzelpersonen, die gerade in einer kleinen Gemeinde sich ergeben, innerhalb der Gemeinde wohnt.

Für die beste Lösung der einer Wiederbesetzung entgegenstehenden Schwierigkeiten würde ich es ansehen, wenn ein Plan, der schon oft im Kreise der Pfarrer der Synode erwogen und besprochen worden ist, zur Ausführung kommen könnte.

Wie ein Blick auf die Karte zeigt, liegt der alte Teil der Gemeinde eingesprengt in den Bezirk der St.-Petri-Gemeinde in Soest. Die Entfernung vom letzten Haus in Meiningsen bis zum ersten Hause in dem Dorfe Deiringsen (östlich von Meiningsen), zu St. Petri gehörig, beträgt 1 Kim. Die Entfernung von Deiringsen nach Soest 4 Kim. Die Deiringser Kinder müssen 2 mal in der Woche den 4 Klm. langen Weg zum kirchlichen Unterricht hin- und zurückmachen, während sie nach Meiningsen in 1/4 Stunde kommen könnten. Die Kirchgänger fahren, wenn sie nicht gehen, am Sonntag Morgen mit dem Autobus über Meiningsen nach Soest. Zurück müssen sie, da dann kein Autobus fährt, die 4 Klm. gehen. Deiringsen zählt ungefähr 250 ev. Einwohner. Der Weg von Meiningsen nach Deiringsen ist chaussiert.

Ahnlich, wenn auch nicht ganz so, liegen die Verhältnisse in Ampen, nördlich von Meiningsen. Ampen ist von Soest gleichfalls ca. 4 Kim. entfernt, von Meiningsen ca. 1,7 Klm. Der direkte Weg dorthin ist allerdings nicht gut. Zudem hat Ampen Kleinbahnverbindung mit Soest und dadurch mehr Beziehungen zur Stadt als Deiringsen. Immerhin wäre auch dieser Ort von Meiningsen aus eher kirchlich zu versorgen, als das von Soest aus möglich ist, Ampen zählt etwa 650 evangelische Einwohner.

Bei einer Zuteilung dieser beiden Dörfer zur Kirchengemeinde Meiningsen würde diese auf 1300-1400 Seelen anwachsen. Ich glaube zu wissen, daß eine solche Umpfarrung in Deiringsen gewiß freudig begrüßt werden würde. Über die Stimmung in Ampen bin ich nicht so unterrichtet, sie ist vielleicht auch nicht einheitlich. Ich bitte, diesen Plan in Erwägung zu ziehen, der nicht nur dem Interesse der Kirchengemeinde Meiningsen entspricht, sondern auch dem kirchlichen Leben in den genannten Dörfern nur förderlich sein kann."

Quelle

  1. Brief der Superintendentur Soest Nr. 796. Auf die Verfügung Ev. Konsist, v. 10.6.1933 Nr. Meiningsen 1 betr. Wiederbesetzung der Pfarrstelle in Meiningsen. Quelle: Landeskirchliches Archiv, Bielefeld.